Lunge in Gefahr - Chronisch obstruktive Lungenerkrankung

Erst tritt morgendlicher Husten auf, dann entwickeln sich zunehmend Atmungsprobleme. Typische Symptome einer COPD-Erkrankung. Was Sie über die bedrohliche Krankheit unbedingt wissen sollten.


Es beginnt meistens damit, dass man plötzlich jeden Morgen husten muss. Im Laufe der Zeit werden die Beschwerden schlimmer, der Husten tritt häufiger auf und wird begleitet von schleimigem Auswurf und Atemnot. Kommt man zunächst nur bei körperlicher Anstrengung schnell außer Puste, etwa beim Treppensteigen oder schnelleren Gehen, ist man später auch in Ruhe kurzatmig und hat ständig das Gefühl, nicht mehr genug Luft zu bekommen. Wer plötzlich an solch einer AHA-Symptomatik (Atemnot- Husten- Auswurf) leidet, sollte sofort einen Arzt aufsuchen. Denn sie deutet auf eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) hin. Also eine dauerhafte (chronische) Krankheit, bei der die Atemwege in den Bronchien stark verengt (obstruktiv) sind. Nur wenn sie frühzeitig diagnostiziert wird, kann sie gut behandelt werden. Im fortgeschrittenen Stadium kann eine COPD auch das Herz, die Stoffwechselorgane, Muskulatur und das  Skelett schädigen. Blutarmut, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, weitere Organschäden und Muskelabbau können die gefährlichen Folgen sein. Weltweit ist die COPD bereits die vierthäufigste Todesursache, allein in Deutschland leiden rund sieben Millionen Menschen daran. Dabei könnte sie in vielen Fällen verhindert werden.

Die Luft kann nicht mehr richtig ausgeatmet werden
Verursacht wird eine COPD vor allem durch Rauchen und Passivrauchen. 90 Prozent aller Patienten sind Raucher oder Ex-Raucher. Im Tabakrauch sind mehr als 4000 Inhaltsstoffe enthalten, viele davon sind giftig und krebserregend. Durch die eingeatmeten Schadstoffe werden die Flimmerhärchen in den Atemwegen beeinträchtigt und verlieren ihre Reinigungsfähigkeit. Die Folge ist, dass Fremdpartikel ungehindert eindringen können. Dadurch entzünden sich die kleinen Atemwege (Bronchiolen) in den Bronchien, sie schwellen an und die Lunge sondert vermehrt Schleim ab. Beim Einatmen gelangt die Atemluft zwar noch in die Lungenbläschen (Alveolen), beim Ausatmen kann sie allerdings nicht mehr ganz hinausgepresst werden und Restluft bleibt in den Lungenbläschen. Beim nächsten Atemzug verbleibt dann weitere Restluft in der Lunge und der Druck in dem Atemorgan steigt zunehmend an. Dies führt dazu, dass die Trennwände in den Lungenbläschen zerstört werden, sich die Bläschen miteinander verbinden und große luftgefüllte Blasen (Lungenemphysem im Fachjargon) bilden. Die Lunge ist überbläht und es gelangt weniger Sauerstoff ins Blut.

Blaue Finger sind ein Zeichen für Sauerstoffmangel
Bei Verdacht auf eine COPD wird der Arzt zunächst ein ausführliches Untersuchungsgespräch mit dem Patienten führen und ihn u. a. fragen, ob er raucht und häufiger hustet („Raucherhusten“), ob er an einer stark befahrenen Straße wohnt (Abgase begünstigen die Erkrankung) und ob in seiner Familie bereits COPD aufgetreten ist (es gibt eine genetische Veranlagung für die Krankheit). Dann folgt die körperliche Untersuchung, bei der der Mediziner zunächst auf optische Anzeichen achtet: Hat der Patient blaue Lippen, Finger oder Schleimhäute (dies weist auf eine verminderte Sauerstoffversorgung des Körpers hin) oder eine leicht pinke Hautverfärbung (Symptom für ein Lungenemphysem)? Dann hört er die Lunge ab und überprüft, ob das Atemgeräusch abgeschwächt ist („Silent Lung“ im Fachjargon). Es tritt bei einer überblähten Lunge auf, weil der Patient dann nicht mehr richtig ausatmen kann. Gibt es Rasselgeräusche, ist das Atemorgan verschleimt. Wird eine COPD festgestellt, gibt es zwar keine Heilung, aber es ist wichtig, eine Krankheitsverschlechterung (Exazerbation im Fachjargon) unbedingt zu verhindern. Weitere Therapieziele sind, die Hustenanfälle zu verringern und die Lungenfunktion wieder zu verbessern. Die zentrale Maßnahme hierfür ist, das Rauchen sofort aufzugeben. Es gibt zahlreiche Tipps, um von den Zigaretten loszukommen. Die körperlichen Entzugserscheinungen lassen sich gut mit Nikotinpflaster, -lutschtabletten oder -kaugummis lindern. Ihr Alphega Apotheker berät Sie, welches Produkt am passendsten für Sie ist oder ob ein Kombi-Präparat sogar die bessere Variante darstellt. Medikamente unterstützen die Therapie ebenfalls, dazu gehören bronchienerweiternde Präparate (Bronchodilatatoren), Kortison, schleimlösende Mittel und Hustenstiller. Im fortgeschrittenen Stadium kann auch eine Sauerstoff-Therapie notwendig sein. Patienten wird außerdem eine Impfung gegen Grippe und gegen Pneumokokken empfohlen. Vermeiden Sie darüber hinaus möglichst Feinstaub in Ihrer Wohnung und am Arbeitsplatz, lüften Sie mindestens zweimal täglich die Zimmer bei weit geöffnetem Fenster, saugen Sie regelmäßig (Staubsauger sollte einen HEPA-Filter besitzen) und entstauben Sie einmal pro Woche die Möbel. Halten Sie sich möglichst nie lange an stark befahrenen Straßen auf und gehen Sie häufig im Wald oder am See spazieren. Bestimmte Übungen können helfen, die Atmung zu verbessern, etwa der Kutschersitz, bei dem Sie leicht breitbeinig auf der vorderen Hälfte eines Stuhls sitzen und sich mit den Ellbogen auf den Knien abstützen. Solche Techniken lassen sich z.B. in einer Atemphysiotherapie erlernen. Mehrere Studien zeigen zudem, dass regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining die Lungenfunktion bei COPD deutlich verbessert. Wer an einer Lungensportgruppe teilnimmt, kann ein Trainingsprogramm machen, das speziell für Patienten entwickelt wurde und von einem Arzt beaufsichtigt wird. Eine Gruppe in Ihrer Nähe finden Sie unter: www.lungensport.org. Sport hat übrigens noch einen weiteren wichtigen Effekt: Er fördert die Entspannung. Auch das tut unserer Lunge gut.
 

 

TEXT: JULIA SALFELD



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